#Gewalt unter #Flüchtlingen – #Vorurteil oder Tatsache?

Die Situation in der Flüchtlingskrise ist noch gar nicht zu überblicken – zu groß sind die Zahlen, unvergleichlich mit früheren Zeiten, verschieden sind die Herkünfte derer, die kommen. Weder Panikmache ist angebracht, wo die Lage sich nicht mit einem Fingerschnippen ändern lässt, noch Verharmlosung, wo es um echte, auf lange Zeit absehbare und schwerste Probleme geht – von teurer Versorgung im Sozialsystem bis zu Gewalt.

Die offiziellen Stellen scheinen derzeit darauf zu setzen, die aufkommenden Zweifel am „Wir schaffen das“ einzudämmen. So übermittelt es web.de (23.10.2015):

Immer wieder liest man fehlgeleitete Warnungen: Flüchtlinge würden stehlen, vergewaltigen, schlägern. Aussagen wie diese sollen Angst schüren und die Menschen gegen die Flüchtlinge, die in Deutschland Schutz suchen, aufbringen. Häufig werden sie von Menschen aus dem rechten Lager verbreitet – während immer mehr Angriffe auf Flüchtlingsheime verübt werden.

Nicht nur auf dieser Seite wird dann eine aktuelle Pressemeldung der Polizei des Landkreises Vorpommern-Greifswald wiedergegeben, betreffs der 2.000 Flüchtlinge im Bundesland:

Nein, es hat seitdem nicht mehr Ladendiebstähle gegeben. Nein, es hat seitdem nicht mehr Wohnungseinbrüche gegeben. Nein, es hat seitdem nicht mehr Fahrraddiebstähle gegeben. Nein, es hat seitdem nicht mehr Messerstechereien oder Vergewaltigungen gegeben.

Dass es bei 2.000 Flüchtlingen mit ca. 1% Neubürgern in diesem Jahr nicht gerade wenige sind, wird hier schlicht umgekehrt. Bisher ist ein Ende der Flüchtlingswelle ja nicht abzusehen.

Auch Springers „N24“ verkündet aufgrund der Pressemeldung am 29.10.2015: „Straftaten durch Flüchtlinge nicht angestiegen“. Am 28.09.2015 wird aus dem oberbayerischen Schrobenhausen gemeldet, dass die Gerüchte über drei Vergewaltigungen durch Asylbewerber „Hirngespinste“ seien.

Das muss berichtet werden, wenn es so ist. Wenn die Formulierung lautet, entsprechende Hinweise würden „häufig (…) von Menschen aus dem rechten Lager verbreitet“, muss man jedoch eine wesentliche Einschränkung machen: Solche Taten und Vorfälle geschehen auch wirklich und werden in den Qualitätsmedien ebenso berichtet.

Mehrere Sozialverbände schlagen laut „Huffington Post“ (11.09.2015) Alarm:

Eindringlich mahnen die Verbände erhebliche Gefahren für Frauen und Kinder an, die in der Gießener Erstaufnahmeeinrichtung leben. Diese würden von männlichen Bewohnern missbraucht, vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen.

(Zur Situation in Gießen schon am 10.08.2015 ausführlich „hessenschau.de“.)

„Die Welt“ schreibt am 11.10.2015:

Elf Frauen mit 13 Kindern aus Flüchtlingseinrichtungen suchten im ersten Halbjahr 2015 in einem der fünf Hamburger Frauenhäuser Schutz, neun Fälle sexueller Gewalt registrierten die Behörden – das ergab eine Anfrage der FDP von Mitte September. Die Zahlen dürften weiter gestiegen sein, allein Frau Damm hat seitdem zwei neue Fälle aufgenommen. Auch die Dunkelziffer liegt wie immer bei sexueller Gewalt deutlich höher, das sagen alle Stellen. Bei der Kriminalpolizei heißt es: Es sei sehr schwer, eine geflüchtete Frau dazu zu bringen, gegenüber der Polizei eine Aussage zu machen, oft bestünden kulturelle Hemmnisse oder die Angst, ein Übergriff könnte sich negativ auf den Asylantrag auswirken. Und doch werden in diesen Tagen immer wieder Übergriffe bekannt, aus der Schnackenburgallee, dem Schwarzenberg in Harburg und der Sportallee in Fuhlsbüttel.

… und legt am 09.11.2015 nach:

Niemand weiß genau, wie viele Flüchtlingsfrauen sexuell belästigt werden. Laut Einschätzung des Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge aber sind es viele, und einige werden sogar missbraucht, in den Kriegsgebieten, auf der Flucht und manchmal auch in deutschen Unterkünften.
Einige Bundesländer erfassen nicht einmal Fallzahlen
Nur wenige Fälle geraten ans Licht der Öffentlichkeit, wie die sexuellen Übergriffe auf eine Putzfrau in einer Asylbewerberunterkunft im bayerischen Kitzingen. Seit Beginn der Woche dürfen dort keine weiblichen Reinigungskräfte mehr eingesetzt werden.

Am 08.10.2015 wies „Bild“ auf die Vergewaltigung eines 12jährigen in Otterndorf bei Cuxhaven hin, nachdem es 10 Tage zuvor schon zu einer versuchten Tat dieser Art gekommen war:

In der Folgeunterkunft leben 600 Menschen unterschiedlicher Nationalitäten. Sie kommen vorwiegend aus Syrien, Pakistan, Albanien, dem Irak und Afrika.
Direkt am Tor ist ein Toiletten- und Waschhaus. Dort bemerkten Wachleute gegen 20 Uhr einen Tumult mit etwa 20 beteiligten Personen. Als die Security dazwischenging, rief der Onkel des Kindes, dass es offenbar vergewaltigt worden sei.

Polizeigewerkschafter Rainer Wendt wird am 29.09.2015 vom MDR wiedergegeben:

Zudem würden Kämpfe um die Vorherrschaft ausgetragen, sagte Wendt der „Passauer Neuen Presse“. Die kriminellen Gruppen organasierten sich nach Ethnien, Religion oder Clan-Strukturen. Sie gingen mit Messern und selbstgebastelten Waffen aufeinander los.
Die meisten Gewalttaten ereignen sich Wendt zufolge zwischen muslimischen Gruppen. Da kämpften Sunniten gegen Schiiten, dazu gebe es Salafisten unterschiedlichster Ausprägung, die ihre Regeln durchsetzen wollten. Beispielsweise würden Frauen gezwungen, sich zu verschleiern und Männer zum Beten.
Besonders viel Übergriffe sieht der Gewerkschaftschef gegen Frauen und allein reisende Kinder und Jugendliche. Da gehe es auch um Missbrauch und Vergewaltigung. Hier lasse sich das wahre Ausmaß der Gewalt nur schätzen, weil Frauen und Kinder oft aus Angst keine Anzeige erstatteten.

Allein dies hört sich nicht an nach Problemen, die nach einer Einquartierung von Flüchtlingen in Sozialwohnungen einfach so aufhören werden. Es geht teilweise leider um kulturelle Gewohnheiten und Eigenheiten, die tief verwurzelt sind. Das wird nicht durch einzelne Falschmeldungen und Verleumdungen grundsätzlich widerlegt. Denken wir an die Opfer und nehmen wir keine falschen Rücksichten auf Täter.

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